
Blut,
Geld und Erziehung
German
translation
of Arnold Roth's article
Arnold
Roth
The
Wall Street Journal
Europe
via
Dow
Jones
26
September 2003
Von
Arnold Roth
JERUSALEM
-- Finanzskandale um erhebliche Beträge sorgen in der Europäischen
Kommission immer wieder für Aufregung. Sie verblassen jedoch im
Vergleich zu den Folgen und dem Ausmaß des Missmanagements der EU
in einem Bereich, der meine Familie und mich berührt.
Im
letzten Dezember reiste ich als Mitglied einer kleinen Delegation von
Israelis nach Brüssel. Jedes der Delegationsmitglieder musste
innerhalb der vergangenen zwei Jahre den Verlust eines Familienmitglieds
durch Terror erfahren. Meine Tochter Malka Chana war 15 Jahre alt, als
sie von einer Terrorzelle der Hamas getötet wurde. Sie war eine
Gymnasialschülerin, eine talentierte Musikerin, half
leidenschaftlich als Freiwillige in der Pflege behinderter Kinder. Als
sich ihr Mörder im August 2001 in einem Restaurant in Jerusalem in
die Luft jagte, richtete er ein Massaker an, bei dem 15 unschuldige
Zivilisten, größtenteils Kinder und Teenager, starben.
Hunderte wurden verletzt, manche von ihnen sind bis heute im Krankenhaus.
Christopher
Patten, der EU-Kommissar für Außenbeziehungen, spielt eine
zentrale Rolle in der Bereitstellung von Finanzhilfe für die palästinensische
Autonomieregierung. Ich wollte ihn im Verlauf des Besuches in Brüssel
fragen, ob ihm die Beweise bekannt seien, die belegen, dass EU-Gelder,
die über sein Büro an die PA geleitet werden und so wichtig
sind für die Verbesserung der Lebensumstände der Palästinenser,
insgeheim zur Finanzierung von Terrorismus abgeleitet werden. Ob er
glaube, es könne ein gerechter Frieden erreicht werden, wenn
Lehrer, die von EU-Spenden an die UNRWA – die UN-Organisation, deren
Aufgabe es ist, den Palästinensern zu helfen – bezahlt werden,
palästinensischen Kindern vermitteln, dass Israel kein
Existenzrecht besitze, und dass ihr persönliches Märtyrertum
ein glorreicher Beitrag zu ethnischen Säuberung des Nahen Ostens
von Juden sei?
Im
Unterschied zu anderen EU-Persönlichkeiten, die wir angesprochen
haben, hat Herr Patten sich geweigert, uns zu empfangen. Stattdessen
trafen wir seinen Stellvertreter. Ich verwies ihn auf Beweisdokumente,
die von den israelischen Streitkräften aufgedeckt wurden, und die
belegen, dass die Top-Manager der PA Geld von den Lohnzahlungen abschöpfen,
und dass geheime Bankkonten einen routinemäßigen Bestandteil
der Korruption in den Reihen der PA darstellen. Er erwiderte, meine
Sorgen seien Fehl am Platze, da sämtliche über Herr Pattens Büro
an die PA geleisteten Zahlungen der strengen Überwachung des
Internationalen Währungsfonds unterliegen. Unmittelbar im Anschluss
an unsere Besprechung überprüfte ich die Dokumente und stellte
fest, dass der IWF einige Monate zuvor einen Bericht veröffentlicht
hatte – den ich sehr leicht im Internet gefunden habe –, in dem dies
bestritten wurde. Der IWF-Bericht bestätigte ausdrücklich den
Missbrauch von Haushaltsgeldern durch die PA.
Zwei
Monate nach diesem Besuch forderten ein Drittel der Mitglieder des europäischen
Parlamentes eine Untersuchung der EU-Zahlungen an die Palästinensische
Autonomieregierung. Diese Untersuchung hat nie stattgefunden. Die Gründe
dafür sind bis heute unklar.
Anfang
dieses Monats verloren meine Familie und ich erneut Freunde durch
terroristischen Mord. Eines der unschuldigen Opfer eines weiteren
Massakers in einem Cafe in Jerusalem war ein Notfallarzt, David
Appelbaum, der sein Leben der Versorgung von Terroropfern -- Juden und
Arabern -- gewidmet hatte. Seine Tochter, die zusammen mit ihm getötet
wurde, wollte am darauffolgenden Abend heiraten. Infolge des tragischen
Mordes an diese beiden Menschen begann ich erneut zu überlegen, wie
der hasserfüllten Erziehung palästinensischer arabischer
Kinder, die sie in lebende Bomben verwandelt, Einhalt geboten werden könnte.
Als
ich die Webseite der EU durchforstete, traf ich auf einen holländischen
Abgeordneten des europäischen Parlamentes, der Herrn Patten kürzlich
direkt zu diesem Thema befragt hatte. In seiner schriftliche Erwiderung
gab Herr Patten an, dass der
Kommission "keine Beweise für den Missbrauch von
Finanzierungsgeldern, welche die EU der Palästinensischen
Autonomieregierung zur Verfügung stellt, für einen anderen als
den vorgesehenen Zweck vorliegen. Sollten entsprechende Beweise
auftauchen, würden sofort entsprechende Schritte unternommen werden".
Diese
Aussage ähnelte in frappierender Weise seiner Reaktion auf frühere
Beschuldigungen bezüglich des Missbrauchs von EU-Geldern durch die
PA. Der Refrain wiederholte sich, als der Bericht der unabhängigen
Organisation Human Rights Watch über palästinensischen
Terrorismus anführte, das "die Al-Aqsa-Brigaden scheinbar vom
routinemäßigen Missbrauch von PA-Geldern profitierte".
Etwa
55% der palästinensischen Araber sind unter 20 Jahre alt. Für
die Errichtung von Brücken des Friedens zwischen unseren beiden Völkern
ist es unerlässlich, die Bedürfnisse dieser Menschen
anzusprechen. Etwa 3,5 Milliarden Euro in Form von EU-Hilfe erreichten
die palästinensische Führung in den Jahren 1994 bis 2001. Wo
immer es hingegangen ist, hat es jedenfalls nicht zur Bildung dieser
Jugendlichen oder zur Schaffung von Frieden beigetragen. Die Hass erfüllten
Messages, die ihre Erziehungsmaßnahmen durchdringen, unter anderem
in EU-finanzierten Schulbüchern, sorgen dafür, dass eine
weitere Generation heranwächst, die unfähig ist, einen Frieden
mit Israelis zu akzeptieren. Es existieren sogar interne palästinensische
Briefwechsel, aus welchen hervor geht, dass die Hamas die Kontrolle
über das palästinensische Bildungsministerium an sich gerissen
hat. Damit wird sicher gestellt, dass die Kinder weiterhin lernen,
Selbstmordattentäter zu bewundern und nachzuahmen.
Herr
Patten versprach, sofort zu handeln, wenn konkrete Beweise auftauchen.
Ich habe ihm jetzt geschrieben und auf zwei spezifische Quellen
hingewiesen.
Zunächst
zitiert die Zeitung San Francisco Chronicle den kürzlich zurückgetretenen
palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmoud Abbas in einem
in der letzten Woche erschienenen, kaum beachteten aber
aufschlussreichen Interview, in dem er bestätigt, was israelische
Unterlagen bereits vor 18 Monaten bewiesen: nämlich, dass die
Top-Manager der PA Geld von den Lohnzahlungen abschöpfen, und dass
geheime Bankkonten einen routinemäßigen Bestandteil des
Alltgags der PA darstellen.
“[Abbas]
sagte, dass er von dem Moment seiner Ernennung an, einen politischen
Zermürbungskrieg führte. Er sagte, dass Arafat Finanzreformen
blockierte, weil sie die Existenz illegaler Bestechungsfonds bedrohten,
aus denen Arafat die Intifada finanzierte. Die Gehälter der
Offiziellen der Palästinensischen Autonomie würden von der EU
bezahlt, aber Arafat oder seine Kumpel schöpften bis zu 15%
Einkommensteuer ab und nutzten sie für ihre eigenen Zwecke”. So
der Artikel.
In
einem weiteren Zitat sagt Herr Abbas: "Ich persönlich weiß
nicht, wo diese Gelder hingehen. Als wir sie annullieren wollten, sagten
sie mir: 'Du behinderst die Intifada'". Der Artikel im Chronicle
zitierte auch die Aussage Herrn Abbas, dass sich "Arafat den Bemühungen
entgegenstellt, die Bezahlung Tausender Polizeibeamten in bar - ein
System, das Korruption und den Abfluss von Geldern an
Untergrundorganisationen wie die Al-Aqsa, den militärischen Flügel
der Al Fatah-Organisation Arafats fördert - einzustellen..."
Eine
zweite Quelle ist ein Bericht über die palästinensische
Wirtschaft, die der IWF letzte Woche veröffentlichte. Daraus geht
hervor, dass Arafat im Laufe der letzten Jahre $900 Millionen allein aus
Steuereinnahmen "umleitete". Das meiste davon endete möglicherweise
als öffentliches palästinensisches Vermögen. Der IWF fügt
jedoch hinzu, dass nicht das gesamte fehlende Geld ausgewiesen werden
kann, und verweist auf zusätzliche spezifische Probleme in der
Praxis der internen Haushaltskontrolle der PA. Genau dies sagten im
letzten Jahr veröffentlichte Berichte des israelischen militärischen
Geheimdienstes aus. Herr Patten wies sie zurück.
Das
ausführliche, nüchterne IWF-Dokument hebt das finanzielle
Missmanagement als von einer Art hervor, die normalerweise zu vielen
Jahren hinter Schloss und Riegel führt. Die Europäische
Kommission leugnet beharrlich die Existenz solcher finanzieller
Korruption, während sie selbst als eine ihrer hauptsächlichen
Versorger fungiert. Unschuldige Menschen wie meine Tochter sterben, weil
Geld frei verfügbar ist, das die Räder des Bösen und der
Korruption schmiert und hasserfüllte Erziehung möglich macht.
In
meinem Schreiben erinnerte ich Herrn Patten daran, dass die von der EU
unterstützte Road Map die unverzügliche Einstellung palästinensischen
Terrors fordert. Er kann entscheiden, ob er die ihm bereits zur Verfügung
stehende Finanzierungsmacht ausübt, und zukünftige
Bewilligungen an die PA von unzweideutigen zuvor vorgelegten Beweisen
abhängig macht, dass das palästinensische Schulsystem auf
Frieden ausgerichtet und mit positivem Geist gestaltet wird. Oder er
kann weiterhin den Preis für das Blutgeld der EU leugnen.
Herr
Patten, wird Ihre Antwort den Weg in eine friedliche Zukunft öffnen?
Das Leben und das Wohlergehen unserer Kinder fordern es.
Herr
Roth ist Vorstandsvorsitzender der VirTouch Ltd, Entwicklerin taktiler
Computergeräte für Blinde. Er und seine Frau haben in
Erinnerung an ihre ermordete Tochter die Malki-Stiftung gegründet (www.kerenmalki.org).
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